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23. Mai 2019: Wieder eine Neubaustrecke durch Gellersen? Jetzt ist Solidarität am Zug!

Alpha-E-Trasse schon wieder im Gespräch ...

Wieder eine Neubaustrecke durch Gellersen? Jetzt ist Solidarität am Zug!

Am 12. Januar führte die Deutsche Bahn in Lüneburg ihre 2. Informationsveranstaltung zum „Bahnprojekt Hamburg/Bremen-Hannover“ durch. Bei diesem Projekt, das zunächst unter dem Begriff „Y-Trasse“ und zuletzt unter „Alpha-E“ bekannt wurde, geht es nun vordringlich um Verbesserungen für den Güterverkehrs auf der Schiene von und zu den großen norddeutschen Seehäfen. Nach dem Aus für die „Y-Trasse“ sollte 2015 das „Dialogforum Schiene Nord“ in Celle in nur neun Monaten eine Lösung finden. Die Teilnehmenden am Dialogforum haben sich dann im November 2015 mehrheitlich für den Ausbau der Bestandsstrecken ausgesprochen.

Wer nun glaubte, bei der Informationsveranstaltung der Deutschen Bahn weitere Details über die Umsetzung der Maßnahme zwischen Lüneburg und Uelzen - Stichwort drittes Gleis - zu erfahren, wurde enttäuscht. Auf den Tischen in der Ritterakademie fand man nur den Abdruck des Projektdossiers aus dem Internet wieder. Die Unterlagen aus dem Projektinformationssystem des Bundes „PRINS“ glänzten mit einer Skizze Niedersachsens und den aktuellen Ausbaustrecken des Alphas in rot (siehe Bild).

Zur Überraschung vieler gab es nun erhebliche Änderungen gegenüber der ursprünglichen Fassung, insbesondere, dass jetzt im Text nicht mehr von einer „Ausbaustrecke Lüneburg – Uelzen“ die Rede ist, sondern von einer „Ausbaustrecke/Neubaustrecke Hamburg – Hannover“. Weiter unten wird es dann mit neuen „Umfahrungen der Orte Lüneburg, Deutsch Evern, Bad Bevensen und Uelzen“ bei maximal 250 km/h konkreter. Genau dieser Suchraum der „Ortsumfahrungen“ ist auf der Skizze besonders hervorgehoben, inzwischen bekannt geworden als „Lüneburger Wurst“. Die Deutsche Bahn erklärte den Teilnehmenden, dass man noch keinerlei Pläne zu den geplanten Ortsumfahrungen habe und diese demnächst an Runden Tischen mit den Gemeinden – angefangen mit Lüneburg und Deutsch Evern – erarbeiten wolle.

Große Unzufriedenheit herrschte im Saal mit der Informationspolitik der Deutschen Bahn, denn schnell wurde klar, dass vier einzelne Ortsumfahrungen bei hohen Geschwindigkeiten technisch und räumlich überhaupt nicht umsetzbar sind. Die Gemeinden sollten offensichtlich selbst darauf kommen, dass die Bypass-Lösungen Ashausen - Unterlüß bzw. Ashausen - Suderburg für sie das beste wären, wurde gemutmaßt.

Die Erkenntnis des Bundesverkehrsministeriums, dass die ursprünglich geplante Engpasslösung zwischen Lüneburg und Uelzen nicht zielführend wäre, ist gut und richtig. Ebenso dass die Anwohner an der Bestandsstrecke nicht allein den Löwenanteil des Güterverkehrs übernehmen könnten, die Lasten stattdessen auf viele Schultern verteilt werden müssen. Nun aber einzelne Ortsumfahrungen, die insgesamt genau die Neubaustrecken darstellen, die in Celle vom Gutachter - nicht vom Plenum - Bestnoten erhielten, als optimale Lösung zu verkaufen, grenzt schon an einen Täuschungsversuch.

Die Samtgemeinde Gellersen, sowie Reppenstedt, Kirchgellersen und Westergellersen hatten sich 2015 klar in Resolutionen gegen Neubaustrecken ausgesprochen, und nichts anderes wären die als Ortsumfahrungen getarnten Bypass-Lösungen. Inzwischen ist aber auch deutlich geworden, dass das ursprünglich geplante dritte Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen nicht annähernd den Bedarf decken würde und bei Fertigstellung die Situation nicht besser wäre als heute. Ein attraktiveres Angebot im Personenverkehr wäre nicht möglich, Verspätungen weiter an der Tagesordnung. Hinzu kommt die Situation der Anwohner an der Bestandstrecke, die nach pessimistischen Berechnungen mit über 500 Zügen täglich rechnen müssten, und ein viertes Gleis würde dann eben auch gebaut, teilte die Deutsche Bahn in Deutsch Evern mit. Mit dem dritten Gleis im Vorgarten wäre es dann nicht mehr getan, es müsste so manches Haus weichen. Dieses Szenario überschreitet die Grenze des Zumutbaren ganz erheblich.

In der Samtgemeinde Gellersen haben wir ein großes Interesse an einem guten Angebot auf der Schiene. Viele steigen in Lüneburg in den Zug und pendeln nach Hamburg oder Hannover. Die aktuelle Situation stellt die Geduld von Reisenden und Fahrgästen aber oft auf die Probe, denn Zugausfälle, Verspätungen und überfüllte Züge sind kein Vergnügen. Zudem arbeiten viele Gellerser in Hamburg im Umfeld des Hafens und sind somit auch indirekt an einer guten Verkehrsinfrastruktur für den Hamburger Hafen interessiert. Dass der Fernverkehr von zahllosen Containern nicht auf die Straße, sondern auf die Schiene gehört, versteht sich da von selbst.

Was ist aber die beste Trasse? Lüneburg hat schon im November 2014 eine vorbehaltlose Diskussion einer möglichen neuen Parallelstrecke im Korridor mit der A 7 gefordert. Keine Neubaustrecke auf der grünen Wiese zu bauen, sondern möglichst bestehende Verkehrswege zu nutzen ist auch die Forderung des Dialogforums gewesen und die A 7-Variante scheint die einzige Möglichkeit zu sein, die Forderungen nach einer deutlichen Kapazitätssteigerung auf der Schiene mit einem ressourcenschonenden Bau zu verbinden. Nur so ließe sich spürbar Güterverkehr von der Bestandsstrecke an die Autobahn, aber nicht auf die Autobahn, verlagern. Nur so würden die Anwohner in Lüneburg, Deutsch Evern, Bienenbüttel, Bad Bevensen und Uelzen deutlich entlastet werden und nur so bekäme die Region genügend Raum für attraktiveren und zuverlässigeren Personenverkehr auf der Schiene.

Es geht um das „Schieneprojekt Hamburg/Bremen-Hannover“. Da ist es nicht mit einer „Lüneburger Wurst“ getan! Der Suchraum darf sich nicht auf den Nordosten Niedersachsens beschränken, er muss mindestens bis zur A 7 reichen. Mit der Ablehnung der Neubaustrecken durch unsere Samtgemeinde und die Ostheide und der Forderung nach einer ernsthaften Prüfung der A 7-Variante bezieht die Samtgemeinde Gellersen eine klare Position für die ganze Region.

Hans-Christian Friedrichs

Gruppe CDU/SPD im Rat der Samtgemeinde Gellersen

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